Referenzen

Müller Josef
Hufpfleger
"Sehr geehrte Damen und Herren vom Fischerteam , ich möchte mich für die freundliche und kompetente Beratung sowie rasche Erledigung ausdrücklich bedanken , das findet man nicht oft Lg Müller Joe ;-)"
 

Widersrpüchliche Urteile zur Haftung und Schadenersatz

Oft wird argumentiert, dass eine Unfallversicherung nicht nötig ist, da man in vielen Fällen einen Schadenersatzanspruch beim Unfallverursacher geltend machen kann.

Richtig ist, dass dies nur für Unfälle gilt, die ein Dritter verursacht hat. Der Sturz vom eigenen Pferd fällt z.B. genau so wenig darunter, wie der selbst verschuldete PKW-Unfall.

Abgesehen davon sind die Gerichtsurteile sehr unterschiedlich, wie die folgenden zwei Urteile zeigen:

 

Beschluss des Oberlandesgerichts Koblenz vom 23. November 2012 (Az.: 2 W 600/12).

"Kommt eine Person durch ein ihr zu gewerblichen Zwecken überlassenes Tier zu Schaden, so ist dessen Besitzer in der  Regel nicht zur Zahlung von Schadenersatz und Schmerzensgeld verpflichtet."

 

Worum ging es

Eine Tiertrainerin wollte das Pferd des Beklagten ausbilden. Gegen Bezahlung, versteht sich! Nachdem sie das Pferd vom Hof abgeholt hatte, wurde sie beim Ausladen von dem Tier getreten. Dabei zog sie sich eine erhebliche Verletzung zu.

Die Tiertrainerin verklagte den Besitzer eines Pferdes auf Zahlung von Schadenersatz und Schmerzensgeld.

Dies wies der Tierhalter bzw. dessen Pferdehalterhaftpflichtversicherung als unbegründet zurück. Denn er fühlte sich nicht für den Unfall verantwortlich. Er war bei dem Vorfall nicht anwesend und hatte daher auch keine Möglichkeiten, den folgen-reichen Tritt des Pferdes zu verhindern.

 

Der Richterspruch

Selbst in der 2. Instanz beim Oberlandesgericht hatte die Frau keinen Erfolg. Die Richter waren zwar auch der Meinung der Tiertrainerin, dass sich durch den Tritt des Pferdes eine Gefahr im Sinne von § 833 BGB verwirklicht hat.

Aber Sie hatte die Ausbildung des Pferdes im eigenen Erwerbsinteresse gegen Entgelt übernommen und sich bewusst der Gefahr von Verletzungen ausgesetzt.

Damit hat sie ein erhöhtes Risiko in Kauf genommen. Diese Eigengefährdung ist höher einzuwerten, als der Entschädigungsanspruch aus der Tierhalterhaftung nach § 833 BGB. Zudem hatte der Beklagte keinerlei Möglichkeit, auf sein Pferd einzuwirken, weil er einfach nicht dabei war.

Wörtlich: „Begibt sich die Geschädigte bewusst in eine Situation drohender Eigen-gefährdung mit bewusster Risikogefährdung, so muss der Gesichtspunkt der Tierhalterhaftung in Anbetracht des Handelns auf eigenes Risiko zurücktreten.“

 

Die Konsequenz

Nur eigene Vorsorge des (gewerbsmäßigen) Tierbehandlers sorgt im Schadenfall für einen Ausgleich! Die umfassenden Deckungsbausteine im neuen Reiterschutz-Brief sichern bei unfallbedingten eigenen Körperschäden Ihre finanziellen Ansprüche ohne Rücksicht auf die Ursachen.

 

Urteil des 14. Zivilsenat des Oberlandesgerichts Hamm  vom 22. April 2015 (14 U19/14)

Ein Hufschmied, der beim Beschlagen eines Pferdes verletzt wird, kann den Halter des Tieres in der Regel in vollem Umfang aus dessen Tierhalterhaftung in Anspruch nehmen.

Was war passiert

Ein als erfahren geltender Hufschmied  zog sich im Dezember 2010 beim Beschlagen eines Wallachs schwere Verletzungen seines rechten Fuß- und oberen Sprunggelenks zu, da ihm das Tier unvermittelt auf den Fuß getreten war.

Auch nach mehrfachen Operationen mit entsprechender Arbeitsunfähigkeit, ist der Hufschmied weiterhin in seiner Bewegungsmöglichkeit eingeschränkt.

Der Halter des Pferdes hielt Schadenersatz- und Schmerzensgeldansprüche des Hufschmieds für unbegründet, denn schließlich habe der Kläger auf eigene Gefahr gehandelt. Das schließe eine Tierhalterhaftung aus.

 

Der Standpunkt der Richter

Die Richter gaben der Klage dem Grunde nach statt. Die Richter sahen bei dem Unfallgeschehen durchaus, dass sich die von dem Pferd ausgehende Tiergefahr verwirklicht hat.

Denn der Kläger sei unstreitig von dem Wallach getreten und dadurch schwer verletzt worden. Zwar setzte sich der Hufschmied beim Beschlagen des Pferdes einer erhöhten Tiergefahr aus, dies jedoch auf Grundlage eines sogenannten Beschlagvertrages. Dieser entbinde den Halter des Tieres jedoch nicht von seiner gesetzlichen Haftung gemäß § 833 BGB.

Der Hufschmied musste auch nicht von einem wesentlich erhöhten Risiko ausgehen, da er das als gutmütig eingeschätzte Pferd seit mehreren Jahren regelmäßig alle sechs bis acht Wochen beschlagen, ohne dass es jemals zu einer brenzligen Situation oder gar zu einem Unfall gekommen sei.

Zur Ermittlung der Höhe des Anspruchs, der dem Hufschmied zusteht, wurde der Fall an die Vorinstanz zurückverwiesen. Diese darf dem Kläger auch nicht, wie zuvor geschehen, ein Mitverschulden anrechnen.

Folge

Der Hufschmied erhält vom Tierhalter Schadenersatz. Sofern der Tierhalter über die finanziellen Mittel oder eine Tierhalterhaftpflichtversicherung verfügt. Dies jedoch auch frühestens, wenn das Urteil rechtskräftig ist. Über eine Unfallversicherung, wie den Reiterschutz-Brief können Leistungen (z.B. Unfall-Krankenhaustagegeld) wesentlich schneller fließen. Der Schadenersatzanspruch wird dadurch nicht geringer!

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